Jagd zwischen Tradition und Innovation

Jägersprache hat Tradition

Die Jägersprache ist keine Geheimsprache für eine elitäre, unaufgeschlossene Minderheit mit archaischen Ansichten. Sie ist vielmehr eine Fachsprache wie jede andere auch. Da die Jagd zu den ältesten Handwerken der Welt gehört, ist ihre Sprache in vielerlei Hinsicht ebenso alt. Das bedeutet aber nicht, dass sie revolutioniert werden muss. Wir Jägerinnen und Jäger sind der Meinung, dass Tradition bewahrt werden muss.

Um ein Handwerk oder einen Beruf zu erlernen, muss man eben auch dessen spezifische Fachbegriffe lernen, sonst redet man aneinander vorbei.

Demut und Dankbarkeit

Zur Tradition gehört übrigens auch, Demut und Dankbarkeit dem Geschöpf zu zollen, welches durch unser Tun sein Leben lassen musste. Jäger erschießen das Wild nicht einfach, sondern sie erlegen es oder sie tragen ihm die Kugel an. Sie verabreichen ihm den letzten Bissen und nehmen beim Legen der Strecke die Hüte ab um dem erlegten Wild die letzte Ehre zu erweisen.
Kennen Sie jemanden, der vor seinem Schnitzel im Supermarkt den Hut lüpft? Dankbar sind die meisten Menschen ja nur dem harten Verhandler und den billigen Arbeitskräften, die dafür sorgen, dass der Preis so günstig ist, dass man bedenkenlos zwei Schnitzel in den Korb legen kann, auch dann, wenn man eins davon später wegwirft.

Einige Fachbegriffe aus der Jagd

Um Missverständnisse zu vermeiden, gibt es unendlich viele Fachbegriffe, die verschiedene Wildarten, deren Geschlecht, aber auch deren Alter und ihre soziale Stellung ganz genau differenzieren. Es genügt eben nicht, zu wissen, dass Bambi ein Reh ist. Man sollte auch schon wissen, dass sein Vater kein Hirsch ist und dass ein 12-Ender kein zwölfjähriger Hirsch ist. Das weibliche Pendant zum Hirsch, ist übrigens auch nicht die Hirschkuh, sondern das Tier und sein jüngster Nachwuchs sind keine Kitze, sondern Kälber.

Gesetzt im Jahr Null hat jedes Wild am 1. April Geburtstag, in der Jugendklasse ändern sie dann häufig auch ihre Namen. Aus einem Kalb wird ein Schmaltier oder ein Schmalspießer und aus einem Frischling wird eine Überläuferbache oder ein Überläuferkeiler. An ihrem zweiten Geburtstag werden sie Alttiere und junge Hirsche, bzw. Bachen und Keiler. Ab dem dritten Lebensjahr ändert nur noch der junge Hirsch seinen Namen aufgrund seines Alters. Aus ihm wird ein Hirsch vom dritten bis x-ten Kopf und er kann im zarten Alter von 3 Jahren auch schon respektable zwölf Enden am Geweih tragen.
Und natürlich gibt es auch hier noch Ausnahmen, z.B. beim Damwild und beim Rehwild.

Wenn Ihnen ein Rudel Rotwild über den Weg läuft, dann sind das in der Regel weibliche Tiere in Gesellschaft ihrer Kälber und deren 1 Jahr ältere Geschwister. Jäger nennen diese Ansammlungen Kahlwildrudel, weil sie nichts auf dem Kopf tragen. Diese Erklärung ist stark vereinfacht. Nur einmal im Jahr, zur Brunft, gesellen sich die Geweihten zu diesen Rudeln um für den Fortbestand ihrer Gattung zu sorgen.

Klingt interessant oder? Vielleicht gibt es ja demnächst noch ein kleines Lexikon der Fachbegriffe, denn hier bewegen wir uns noch ganz weit oben auf der Spitze des Eisbergs.
Wer es aber genau wissen will, dem bieten wir in unserer Jagdschule - Am Stettiner Haff eine grundsolide Ausbildung, die bis in die Tiefen des traditionsreichen Handwerks Jagd eintaucht.

Weidmannsheil und Weidmannsdank

Treffen sich zwei Jäger, sagt der Eine Weidmannsheil antwortet der Andere ebenfalls mit Weidmannsheil. Warum ist das so? Weidmannsdank sagt der Jäger grundsätzlich nur dann, wenn er erfolgreich war, nicht schon dann, wenn ihm jemand Glück wünscht. Wenn Sie also Ihre Prüfung erfolgreich bestanden haben, dann dürfen auch Sie das erste Mal Weidmannsdank sagen. Dafür wünschen wir Ihnen jetzt schon einmal Weidmannsheil.

Status Quo, nichts tun ist keine Option

Die Bewegung "Fridays for Future" hat dafür gesorgt, dass ein Erkenntnisprozess eingesetzt hat. Wir tragen mit unserem täglichen Handeln primär zum Klimawandel und der globalen Erwärmung bei.
Die Corona-Pandemie hat vielen die Augen geöffnet, dass unser permanenter Raubbau an der Natur das Wild dazu zwingt in unsere Kulturlandschaft einzudringen. Und diese Nähe kann für uns Menschen gefährlich werden. Zoonosen sind Wildkrankheiten, die von einem tierischen Wirt zu einem menschlichen Wirt wechseln und umgekehrt. Vor Corona gab es die auch schon, die bekannteste Zoonose ist die Tollwut. Weltweit werden deshalb jährlich 15. Mio Menschen wegen des Verdachts auf eine Tollwutinfektion geimpft.

Durch die globale Erwärmung verschieben sich die Lebensräume nicht nur von Wildtieren, sondern auch von Vögeln und Insekten. Ursprünglich nicht in unseren Breitengraden beheimatete Tiere fühlen sich zunehmend wohl bei uns, vor allem dann, wenn sie bei uns keine natürlichen Feinde haben. Diese sogenannten Neozonen bergen Gefahren für unser natürliches Gleichgewicht und unsere Gesundheit. Sie verdrängen einheimische Arten und zerstören Schutzbauten. Es mangelt an knackig kalten Wintern, die früher dafür sorgten, dass nicht jede blöde Mückenlarve überlebt.

Was hat nun die Jagd mit Innovation zu tun

Zunächst einmal ist allein schon die Vermittlung von Wissen und die daraus entstehenden Erkenntnisse von Zusammenhängen in der Natur irgendwie innovativ. Wenn Stadtkinder Hühner mit vier Beinen malen ist das nicht innovativ, sondern zeigt, wie sehr wir uns von unserer Umwelt entfremdet haben. Nur ein großer Schritt rückwärts kann den nötigen Platz schaffen, um genügend Anlauf für einen Sprung nach vorne zu bekommen.

Jagd ist gelebter Natur- und Artenschutz

Donnerwetter, das klingt innovativ. Einer der größten anerkannten Naturschutzverbände Deutschlands ist übrigens der Deutsche Jagdverband. What? So what! Jäger tragen aktiv dazu bei das natürliche Gleichgewicht zu wahren. Das machen natürlich viele Menschen die verstanden haben, dass man unseren heimischen Arten und dem Klima etwas unter die Arme greifen muss. Jäger tun das auch, mit und ohne Büchse.

Jäger kontrollieren den Bestand verschiedener Arten von Wildtieren, egal ob sie eingewandert, ausgesetzt oder heimisch sind und halten ihn im Gleichgewicht. Sie sorgen dafür, dass einheimische Arten unter dem Druck ihrer natürlichen Feinde nicht aussterben. Sie hegen den natürlichen Lebensraum einerseits und halten andererseits Prädatoren auf Abstand. Jäger schützen die Wälder davor, dass zu große Wildtier-Populationen nicht das Nachwachsen natürlicher Rohstoffe verhindern. Ist das nötig? Ja, denn ihr Platz und das Nahrungsangebot werden immer knapper.

Jagd ist aktiver Seuchenschutz

Bei anderen Wildarten trifft genau das Gegenteil zu. Eine natürliche Auslese findet nicht mehr statt und eine Bestandsreduktion ist nur durch die Jagd möglich. Wildschweine gehören zu den Gewinnern unserer wachsenden Kulturlandschaft. Ihr Nahrungsangebot vervielfacht sich von Jahr zu Jahr. Das nutzen sie aus und reproduzieren sich enorm. Dabei sind Wildschweine aber ebenfalls potenzielle Träger einer gefährlichen Virusvariante, diese ist zwar für den Menschen ungefährlich, aber für unsere Schweineschnitzel im Supermarktregal tödlich.

Corona hat hoffentlich vielen Menschen gezeigt, dass große Versammlungen die Übertragung von Viren ganz erheblich fördern. Wildschweine leben in großen Rotten und unsere Schweinemastanlagen bieten den Tieren auch nicht den nötigen Sicherheitsabstand um eine Ansteckung zu verhindern. Die einzig mögliche Lösung besteht also in der Reduktion großer Rotten von Schwarzwild und im Gegensatz zu Corona gibt es nur einen einzigen Weg, das ASP-Virus muss ausgerottet werden, um jeden Preis, weltweit, es wird keine Impfung geben.

Und was ist mit dem ganzen Trophäenkult?

Ja, ja, der Mensch ist nun einmal von Natur aus Jäger und Sammler, nicht umsonst gibt es so viele Souvenirläden auf der ganzen Welt. Auch Jäger sammeln gerne Erinnerungen. Sie erzählen sich gerne in urtypischer Jägersprache die Geschichten, die sie mit ihren Wanddekorationen verbinden. Manchmal wird in bestem Jägerlatein auch gerne etwas dick aufgetragen. Hand aufs Herz, es sind nicht Alle so, das wissen wir auch.

Und was ist mit der Auslandsjagd?

Die Trophäenjagd im Ausland nimmt oft genug skurrile Ausmaße an und ist mit ihrem sich selbst inszenierenden Gebaren oft abstoßend. Wir können dem nichts abgewinnen, verurteilen aber die Jagd im Ausland, gegen die Leerung eines dicken Geldbeutels, grundsätzlich nicht.

Das hat zwei ganz wesentliche Gründe. Zum Einen, wenn Wilderei weniger Geld bringt als der legale Verkauf eines Wildtieres, welches nach anerkannten Regeln weidmännisch erlegt wird, dann fällt das Geschäftsmodell der unkontrollierten Wilderei weg. Zum Anderen kann auf diese Weise der Bestand vor Ort ebenfalls besser gemanagt werden und Drittens gibt es vor Ort nur Gewinner.

Ob der Tausch eines reduzierten Geldbeutels gegen eine seltene Trophäe einen Gewinn bringt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber wenn Geld legal den Besitzer wechselt und wieder in den Umlauf gelangt, ist das viel besser, als dubiose Derivate, die sich an der Börse mit sich selbst beschäftigen.

Das kann man tatsächlich als innovativ betrachten. Gestalten Sie aktiv mit und werden Sie Jägerin oder Jäger, wir helfen Ihnen dabei sehr gerne. Lernen Sie, wie man mit einem traditionellen Handwerk Zukunft nachhaltig gestalten kann.

Warum uns Tradition wichtig ist

Innovation kann auch manchmal kontraproduktiv sein, insbesondere bei der Verwendung von Sprache. Vor allem dann, wenn sie versucht die Dinge unverhältnismäßig zu vereinfachen oder über schlichte Wahrheiten hinwegtäuscht. Es gibt Unterschiede zwischen Jagd und Management und es gibt Unterschiede zwischen Jägern und Wildtiermanagern. Es gibt keine Unterschiede zwischen Jägern und Jägerinnen, weshalb wir hin und wieder auf diese Genderfizierung verzichten um Platz zu sparen.